Dvořak in Prag

Veröffentlicht am 7. Februar 2026 um 15:59

Prag - Sehnsuchtsort für Liebhaber europäischer Kulturgeschichte, Literatur und klassischer Musik. In der gesamten Tschechischen Republik gibt es vor allem in der Welt der Oper so viel zu entdecken, was über die Grenzen dieses Landes hinaus kaum bekannt ist. Eine Reise nach Prag eignet sich wunderbar, um mehr über den großartigen Komponisten Antonín Dvořak zu entdecken, dessen musikalisches Vermächtnis – damit auch alle seine Opern - zu einem großen Teil hier zu seinen Erstaufführungen kam.

Prag Hradčany

Antonín Dvořak. Aus Wikimedia

Antonín Dvořak wurde 1841 in Nelahozeves (etwa 30km nördlich von Prag, an der Moldau) in eine Metzger- und Gastwirtfamilie geboren. Das Geburtshaus – heute ein liebevolles Museum – ist zu besichtigen. Als ernsthafter Musikenthusiast erkannte der Vater schnell das Talent Antoníns und vermittelte ihn im Alter von 12 Jahren bereits als Schüler an den regional angesehenen Musiker / Musiklehrer Antonín Liehmann in Zlonice. Hier wurde Dvořak weiter gefördert und erste kleine Kompositionen entstanden. Dvořak hat seinem Lehrer später in der Figur des Musiklehrers Benda in der Oper Jakobín ein Denkmal gesetzt.

                                       Geburtshaus in Nelahozeves

 

1857 gelangte Dvořak an die Prager Orgelschule, eine hochkarätige Schule für Musiker und Komponisten, er spielte (Bratsche) in einem kleinen Orchester, das in den 60er Jahren ins Orchester des Prager Interimstheaters (Prozatimní divadlo) – dem Vorläufer des Nationaltheaters – integriert wurde. Dvořak selbst arbeitete in Prag als Musiklehrer, seine Lebensumstände waren ja von harter Arbeit und chronischem Geldmangel geprägt. Dennoch war Prag für ihn der einzig richtige Ort für Erfahrungen und zur Entwicklung seines Genies. Als Orchestermusiker lernte er die zu dieser Zeit wichtigsten Opernkomponisten (Mozart, Verdi, Smetana, …) hautnah kennen.

Národni Divadlo (links) und Státní Opera Praha (rechts) und Blick auf Prag und die Moldau (vom Letna Park aus)

Zu dieser Zeit verliebte sich Dvořak in eine seiner Klavierschülerinnen, Josefina Čermáková. Diese Liebe blieb unglücklich – wir verdanken ihr die Inspiration zum Lieder-/Streichquartett-Zyklus Zypressen – und Dvořak heiratete schließlich 1873 deren Schwester Anna. Außergewöhnliche Umstände aus heutiger Sicht, es scheint aber ein Bund und eine Liebe fürs Leben gewesen zu sein, die sie durch strahlendste Höhen und abscheulichste Tiefen begleiteten und Halt gaben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antonín Dvořak und seine Frau Anna in London 1886. Aus Wikimedia

Antonín und Anna hatten insgesamt neun Kinder, von denen die ersten drei als Kleinkinder verstarben. Aus dieser Erschütterung ist sein Stabat Mater 0p. 58 hervorgegangen. Fünf Jahre nach ihrer Heirat folgten sechs Kinder, die alle ein Erwachsenenalter erreichten. Unter ihnen zeigte das Mädchen Otilie außergewöhnliche musikalische Begabung, kleine Klavierstücke sind überliefert. Sie heiratete 1898 den Komponisten Josef Suk (damals ein Schüler Dvořaks), mit 27 Jahren starb aber auch sie zu früh. Ihre Schwester Magdalena war eine bekannte Konzertsängerin.

 

An das Komponieren von Opern wagte sich Antonín Dvořak in den 70er Jahren. Er bereitete Král a uhlíř für das Interimstheater vor, zahlreiche Umarbeitungen waren jedoch nötig. Endlich suchte er am Ministerium für Kultur und Bildung in Wien um ein Stipendium an, das regelmäßig an exzeptionelle Komponisten vergeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren ja neben kammermusikalischen Werken und Liedern auch schon erste Symphonien vorhanden. In der Jury in Wien saß unter anderen Johannes Brahms. Von da an – wichtig auch die enge Kooperation mit dem Verleger Fritz Simrock – begann Dvořaks Weg in eine finanzielle Unabhängigkeit.

 

Es folgte eine Periode, in der sich Dvořak intensiver tschechisch-patriotischer Atmosphäre zuwendete – Slawische Tänze, Klänge aus Mähren, Tschechische Suite – aber auch ab den 80er Jahren Reisen ins Ausland durchführte. Einige Aufenthalte in London und die dort seit Georg Friedrich Händel bestehende Begeisterung für Oratorien inspirierte seine Kantaten Svatební košile (Die Geisterbraut) und Svatá Ludmila. Dvořak hielt sich auch kurz in Russland auf. Den nachhaltigsten Einfluss bewirkte wohl sein mehrjähriger Aufenthalt in Amerika, Dvořak folgte 1891 einer Einladung des National Conservatory of Music in New York. Er war dort zweieinhalb Jahre als Direktor tätig, sein schönstes Souvenir für uns ist wohl seine neunte Symphonie Aus der Neuen Welt op. 95.

 

Die herausragenden Erfolge ermöglichten Antonín Dvořak den Erwerb und die Renovierung eines ausgedehnten Landsitzes in Vysoka u Příbramě, inklusive Park mit einem Rusalka-See. Das Schlösschen und die gesamte Anlage können besichtigt werden. Der Ort blieb bis zu seinem Lebensende eine Quelle der Ruhe und der Inspiration für sein weiteres Schaffen.

Gedenkstätte in Vysoká u Příbramě. Aus Wikimedia (©Chmee2) und Vysoká u Příbramě, Rusalka-Teich. Aus turistika.cz

 

Am Prager Konservatorium lehrte und förderte er herausragende Talente, wie Oskar Nedbal, Vítězslav Novák und Josef Suk. In der Nähe der Staatsoper befindet sich auch ein Dvořak-Museum (ein Wohnhaus), ich glaube aber, es wurde kaum genutzt. Seine Kompositionen gingen in eine Phase der Mythen und Märchen über. Das sind vor allem die Sinfonischen Dichtungen nach Motiven aus der tschechischen Märchenwelt – herrliche (spät)romantische Programmmusik – und seine letzten drei Opern Čert a Káča (Katja und der Teufel), Rusalka und Armida.

Národni Divadlo Praha / Čert a Káča – Photo: Zdeněk Sokol

 

Národni Divadlo Praha / Armida – Photo: Zdeněk Sokol

Čert a Káča ist als heitere Märchenoper garantiert alljährlich in der Vorweihnachtszeit zu erleben. Zahllose Komponisten haben sich dem Mythos Armida schon gewidmet. Außerhalb Tschechiens ist kaum bekannt, dass auch Dvořak das tat, die selten gespielte Armida mit ihrem Melodienreichtum, der orientalischen Atmosphäre und spätromantischen Leidenschaften und Klängen ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Národni Divadlo Praha / Armida – Alžběta Poláčková (Armida) und Aleš Briscein (Rinald) - Photo: Zdeněk Sokol

In Prag - dem Paradies für Opernenthusiasten – gibt es drei Opernhäuser mit umfangreichen Spielplänen. Die wichtigsten Werke tschechischer Opernliteratur werden immer gespielt, von selteneren Werken gibt es regelmäßig Premieren und Wiederaufnahmen. Dvořaks bekanntestes Meisterwerk Rusalka wird zur Zeit in der Staatsoper (Státní Opera) in einer traditionellen Inszenierung UND im Nationaltheater (Národní Divadlo) in einer moderneren Inszenierung angeboten.

 

Národni Divadlo Praha / Rusalka – Kateřina Kněžíková und 2. Akt (links und oben). Photos: Pavel Hejny

Státní Opera Praha / Rusalka (rechts) – Photos: Zdeněk Sokol

 

Die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Prager Opernhäuser (es gibt auch noch das Ständetheater, den Platz der Uraufführung des Don Giovanni, aber das ist eine eigene Geschichte) verfügt über ein herausragendes Sängerensemble, zum großen Teil bestehend aus tschechischen Sängerinnen und Sängern, aber auch aus regelmäßigen gerne gehörten und gesehenen Gästen. Das ist eine Familie, von der man weiß, dass die Meisterwerke in den besten Händen sind und mit Liebe und Enthusiasmus interpretiert werden.

 

Antonín Dvořak starb 1904 überraschend, wahrscheinlich an den Folgen einer Nierenerkrankung und einer Infektion. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof des Vyšehrad in Prag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Basilika St. Peter und Paul auf dem Vyšehrader Burgwall.

Dvořaks Grabmal auf dem Vyšehrader Friedhof. (Büste von Ladislav Šaloun)

 

LINKS:

Kulinarische Freuden:

 

 

 

 

 

Tschechische Knedlíky keinesfalls verpassen! Süße und pikante Varianten im Bistro knedlík:

https://knedlin.cz

Keinesfalls auch die Trdelnik („Baumkuchen“, „Chimney cakes“, …) verpassen! Unendliches Angebot, unterschiedliche Qualitäten … je näher in touristischen hot spots, desto frischer der Trdlo.

Wer nach einer Alternative zu Svíčková, Řízek und Vepřové Koleno sowie Ruhe vor grölenden und kreischenden Biertouristen sucht, ist im Maitrea mitten in der Altstadt gut aufgehoben:

https://www.restaurace-maitrea.cz/en/

Oder in einem der Indischen Restaurants. Ich kehre immer wieder gerne in dieses (The Two Brothers) zurück:

https://www.kthetwobrothers.eu/

 

Und (vorzugsweise bei Schönwetter) zieht es mich zum Hanavsky Pavilon, um die herrliche Aussicht auf Prag aus dem Letná Park zu geniessen (einer der bevorzugten Spaziergänge Franz Kafkas, sagt man … aber das ist auch eine andere Geschichte):

https://hanavsky-pavilon.cz/?lang=en

 

Links zu Antonín Dvořak:

Hier ALLES über Dvořak:

https://www.antonin-dvorak.cz/en/life/biography/

 

Museen zu Dvořak:

https://www.nm.cz/en/visit-us/buildings/antonin-dvorak-museum

 

https://www.dvorakuvdum.cz/en

 

https://antonindvorak.cz/en/

 

Dvořaks Musik:

https://www.supraphon.cz/en/prague-store

 

Hier alles zu den drei Opernhäusern:

https://www.narodni-divadlo.cz/en/stages/the-state-opera

Mit Trailern (Werbung ist eventuell zu überspringen beim Aufruf der Videos) zu Rusalka:

https://www.youtube.com/watch?v=pjwglfLLyrg

Und zu Armida:

https://www.youtube.com/watch?v=yQT8-x7ssic